Ein bisschen Geschichte
VERO (früher auch mit dem Zusatz „True Social“) wurde offiziell im Jahr 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt, blieb aber eigentlich eher ein Netzwerk für einige bestimmte Nischen, wie Cosplay, Makeup- und Tattoo-Künstler und Skateboarder. Damals wusste ich auch noch gar nichts davon.
Entdeckt habe ich VERO im Jahr 2018, bei der ersten Popularitätswelle. Das war genau die Zeit, in der der Skandal um die illegale Datensammlung von Facebook-Nutzern durch die Firma Cambridge Analytica ans Licht kam und Nutzer in der Folge massenweise zu VERO abwanderten. Wie viele von denen wohl noch da sind?
Ich selbst war kein Facebook-Nutzer. Dennoch interessierte mich diese App und ich legte mir einen Account an. Ehrlich gesagt auch, weil es ursprünglich hieß, dass nur die Nutzer, die zur ersten Million gehören, die App für immer kostenlos werden benutzen können, und diesen Status wollte ich mir sichern (Spoiler: Es ist bis heute kostenlos für alle). Aber nach ein bisschen herumstöbern, verlor ich schnell das Interesse und ich glaube, das ging auch anderen so.
Kurzlebiger Hype
Im Jahr 2022 kam dann der nächste Hype. Einige Fotografie-Influencer fingen auf einmal an, Videos über VERO zu machen. Ich erinnere mich an Peter McKinnon, der auch nach wie vor bei VERO aktiv ist oder auch der im deutschen Sprachraum bekannte Kristoff Göttling, dessen letzter Post allerdings bereits drei Jahre alt ist.
Für mich war es die Gelegenheit, mein Profil wiederzubeleben, das erste Foto zu posten und mich mit VERO vertraut zu machen. Mein Profil: https://vero.co/freepenguin84. Es ist sogar verifiziert, damit wisst ihr, dass ich wirklich so heiße 😊
Einblicke
Man kann öffentliche Profile direkt auf der Webseite von VERO anschauen, wenn man den direkten Link hat. Es gibt jedoch aktuell keine vollwertige Webapp. Es gibt Apps für iOS und Android, sowie für MacOS und Windows. Leider wurde der Linux-Desktop nicht bedacht, was durch das Fehlen der Webapp besonders ärgerlich ist. Die folgenden Screenshots sind alle aus der Android-App.


Wie VERO funktioniert
Oberflächlich gesehen ähneln sich VERO und Instagram in der Handhabung. Neben der Möglichkeit, Fotos und Videos zu posten und Links zu teilen, kann man auch Musik, Filme, Bücher, Apps, Spiele und Orte empfehlen. Für manche vielleicht interessant, ich konzentriere mich hier jedoch auf die Foto-Community.

Der größte Vorteil gegenüber Instagram: Es gibt keine klassische Werbung und sehr wenige Influencer. Es ist also ein sehr sauberes Erlebnis, denn man sieht wirklich nur das, was man auch abonniert hat.
Discovery und Schwerpunkte
Eine weiterer Unterschied ist die Tatsache, das es keinen Algorithmus gibt, der entscheidet, was man zu sehen bekommt. Die Beiträge werden alle chronologisch angezeigt. Ich persönlich sehe das nicht nur positiv, denn dadurch gehen Beiträge schnell mal unter, wenn man eine Weile nicht in die App schaut und man wird nicht so leicht auf weitere Profile aufmerksam gemacht. Zumindest für den zweiten Umstand gibt es die Discovery-Funktion, mit der man anhand der angegebenen Interessen Beiträge und Profile vorgeschlagen bekommt.
Damit das funktioniert, gibt man in seinem eigenen Profil selbst an, welche Schwerpunkte man hat und ordnet die Fotos auch entsprechend zu. Dann kann von anderen Nutzern für die Bereiche „gevouched“ werden, was am Ende Einfluss darauf hat, wie gut man in der Discovery gefunden wird. Das ist transparenter und fairer, wenngleich man natürlich in seiner eigenen Bubble vielleicht geneigt ist eher zu vouchen und weniger objektiv ist. Aber so kann man sich gegenseitig unterstützen.

Snap-Community und andere Hubs
Bei VERO läuft auch viel über die Hubs. Während es auf Instagram oft einen Touch von Bilderklau hat, ist es bei VERO völlig normal und gewollt, dass die Hubs Fotos noch einmal teilen. Natürlich nur, sofern man die Hubs auch mit einem Hashtag im Beitrag erwähnt hat und damit quasi die Erlaubnis dazu gibt bzw. darum bittet. Der Hub mit den meisten Kategorien ist Snap Kingdom (früher Raw Kingdom). Man seinem Post fügt den Hashtag der gewünschten Community hinzu, beispielsweise #snap_people und hofft, dass das Foto von einem Moderator ausgewählt wird. Andere Hubs sind z.B. Podium und pictas.
In der Regel, bekommt das eigene Foto gar nicht so viele Likes, gerade wenn man kein bekannter Künstler ist. Aber durch die Hubs bekommt man mit seinen Fotos eine deutlich größere Reichweite. Beispielhaft hier mal mein letztes Bild im Bereich Architektur- und Streetfotografie:

Mein eigener Post hat gerade mal 38 Likes. Die Likes an sich sind nicht wichtig, die Zahl sagt aber schon etwas darüber, wie viele Nutzer mein Foto in etwa gesehen haben. Und jetzt zeige ich euch wie viele Likes man bekommt, wenn die Hubs ins Spiel kommen:



Das sind insgesamt 648 Likes, wovon sicherlich einige von den gleichen Nutzern kommen, gar keine Frage. Aber der Unterschied ist deutlich. Mich freut es einfach, dass mein Foto, auf das ich sehr stolz bin, auch von vielen gesehen wird. Jetzt würde man sich natürlich wünschen, dass die anderen sich die Zeit nehmen, ins eigene Profil klicken, den Like da auch nochmal geben und hoffentlich mehr Fotos entdecken. Aber gut, man kann nicht alles haben. Und um ehrlich zu sein: Ich vergesse das auch oft.
Schlussgedanken
VERO ist nicht nur ein anderes Instagram. Es hat einen ganz anderen Vibe. Man bekommt grandiose Fotos aus vielen Genres zu sehen. Landschaft, Architektur, Street, Portraits, es gibt alles. Gerade durch VERO habe ich Lust auf Streetfotografie bekommen. Der Austausch untereinander und der Support durch die Hubs ist sehr hilfreich.
Es gibt einige weitere Funktionen, die ich hier gar nicht betrachtet habe. Bspw. das „conntecten“, was nochmal eine weitere Stufe der Direktverbindung ist und wo man die Möglichkeit bekommt Direktnachrichten auszutauschen.
Ich kann Fotografen und Fotografinnen nur empfehlen, VERO mal eine Chance zu geben. Es wird den Horizont auf jeden Fall erweitern und man bekommt Fotos zu sehen, die nicht unbedingt dem „Instagram-Schönheitsideal“ entsprechen, und ja, das gilt teilweise auch für Landschaftsfotos.
Und jetzt seid ihr dran: Habe ich euch neugierig gemacht? Seid ihr vielleicht sogar schon auf VERO aktiv? Habt ihr Fragen, die ich vielleicht beantworten kann? Ich bin gespannt!
